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Das Springfield Shopper Special zum Simpsons Kinofilm

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Dem Springfield-Shopper ist es als erste Simpsons-Fanpage gelungen ein Interview mit dem neuen deutschen Synchronregisseur Matthias von Stegmann im Mai 2007 zu organisieren.
Matthias von Stegmann ist auch für die Übersetzung der englischen originalen Folgen in die deutsche Sprache zuständig. Er übernahm nach dem Tod von Ivar Combrinck im September 2006 die Arbeit.

Im Shopper-Interviews erhaltet ihr einen Einblick in das Leben des deutschen Synchronregisseurs der Simpsons. Herr von Stegmann hat sich sehr viel Mühe gegeben und ausführlich geantwortet, wofür wir ihm sehr dankbar sind. Außerdem hat er die Gelegenheit genutzt, um endlich mal ein paar Dinge, die in der Fan-Szene oftmals falsch interpretiert wurden sind, richtig zu stellen.

Springfield-Shopper.de: Sehr geehrter Herr von Stegmann,
es freut uns außerordentlich, und wir fühlen uns sehr geehrt, dass wir die Möglichkeit haben mit Ihnen ein Interview durchführen zu können.
Wir haben Ihnen ein paar Fragen zusammengestellt, die zum Teil von uns Betreibern der Fanpage kommen und zum Teil von unseren Besuchern, denen wir im Vorfeld die Gelegenheit gegeben haben uns Fragen vorzuschlagen, die wir Ihnen stellen können. Der Zuspruch war sehr gut, und es wurde in der Fanszene sehr begrüßt, dass Sie für das Interview bereit stehen.

Matthias von Stegmann: [...] Vielen Dank für Ihr Interesse. Ich habe versucht möglichst umfassende Antworten zu geben und da ich zur Zeit recht viel um die Ohren habe, hat es leider etwas länger gedauert. [...] Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht in die dunkle Welt des Synchrons bringen und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrer sehr lesenswerten Seite!
Mit freundlichen Grüßen
Matthias von Stegmann


Springfield-Shopper.de: Erzählen Sie ein bisschen von sich, wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen, und an welchen Projekten arbeiten Sie außer den Simpsons?
Matthias von Stegmann: Tja, wo soll ich da anfangen? Meine Synchronkarriere habe ich im Alter von 10 Jahren als "Kindersprecher" begonnen. Neben der Schule habe ich viel synchronisiert und war unter anderem in Serien wie „Unsere kleine Farm" und ,,Die Bären sind los" zu hören. Das allerdings war in grauer Vorzeit und im letzten Jahrhundert, in dem ich dann auch mit 19 Jahren mein erstes Synchrondrehbuch geschrieben und mit 20 meine erste Synchronregie geführt habe. Das war 1988.
Wer nicht rechnen möchte, ich werde dieses Jahr 39. Seitdem habe ich bei vielen Serien als Autor und Regisseur mitgewirkt. Unter anderem waren das "Cheers",„ Becker",,Die Abenteuer des jungen lndiana Jones", ,,Die Nanny", „Hör mal, wer da hämmert", ,,Clueles",,Mega Man", ,,Die wilden 70er und ,,Boston Legal" Außerdem bin ich seit der 4. Staffel, bzw. seit Folge 322 verantwortlich für die deutsche Fassung der Serie ,,Family Guy". Zu den wichtigsten Kinofilmen, die ich synchronisiert habe, gehören unter anderem ,,The Sixth Sense", "Eine Nacht bei McCool's", ,,Heartbreakers9', ,,Wild Things", "Mr. Bones", „The Cooler", ,,Das Phantom der Oper" und natürlich ,,Die Simpsons - Der Film" ;)
Darüber hinaus bin ich als Opernregisseur tätig. Als Regieassistent habe ich 15 Jahre bei den Bayreuther Festspielen mitgewirkt, einige Neuproduktionen und Wiederaufnahmen am Royal Opera House of Covent Garden in London begleitet und in viel und oft in meinem ,,Stammhaus am New National Theatre Tokyo gearbeitet. (Da meine Mutter Japanerin ist, habe ich eine enge Verbindung zum fernen Osten) Dort habe ich auch mein Debüt als Regisseur gegeben, mit dem ,,fliegenden Holländer" von Richard Wagner und inszeniere dort nächstes Jahr den "Freischützu von Weber". Eine von mir konzipierte Kinderoper nach Richard Wagners "Ringu" werde ich Ende des Jahres an der Wiener Staatsoper inszenieren. Nebenbei stehe ich auch manchmal auf der Bühne, zum Beispiel als ,,Bassa Selim" in Mozarts ,,Entführung aus dem Serail" an der Metropolitan Opera in New York (das nächste Mal im Mai 2008)


Springfield-Shopper.de: Was haben Sie als erstes gedacht, als Sie erfahren haben, dass Sie nun die Simpsons bearbeiten dürfen?
Matthias von Stegmann: Mein erster Gedanke war sicherlich „Soll ich oder soll ich nicht?" Nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil ich (wie man oben nachlesen kann) sehr viel beschäftigt bin und mir von Anfang an klar war, dass die Bearbeitung dieser Serie mit großer Sorgfalt durchgeführt werden muss und somit auch mit hohem Zeitaufwand verbunden ist. Mein
zweiter Gedanke war dann aber ,,Mann, sei nicht blöd, das sind die ,,Simpsons, eine der wenigen echten Topserien, die es gibt, so ein Angebot kommt nicht oft, das kannst Du auf keinen Fall ablehnen", und so war es ja dann auch.

Springfield-Shopper.de: Haben Sie auch vor ihrer Arbeit als Synchronregisseur die Simpsons geschaut?Mussten Sie sich groß über die Simpsons Vergangenheit informieren? Wieschwer ist es, besonders in einer so altbewährten "Maschinerie" neu einzusteigen?
Matthias von Stegmann: Ich war sicher kein Hardcore-Fan, der sich jede Folge reingezogen hat, aber natürlich hatte ich die Simpsons häufig gesehen. Auch oft im Ausland im englischen Original. Die Simpsons-Vergangenheit ist ein großes Feld, über das man sich nicht umfassend genug informieren kann. Ich habe viel im lnternet gestöbert, sowohl auf den amerikanischen als auch auf den deutschen Seiten und habe mir vom Sender die letzten Seasons komplett auf Deutsch zukommen lassen, um mich angemessen vorzubereiten und einzuarbeiten. Darüber hinaus habe ich natürlich viele Gespräche mit
den anderen Mitgliedern unseres Teams geführt, die die Serie zum Teil schon sehr lange begleiten.
In eine Serie einzusteigen, die seit 17 Jahren existiert, ist selbstverständlich eine unglaublich schwierige Aufgabe. Zum Glück kenne ich alle Beteiligten im Team wie die Schauspieler, den Tonmeister und die Cutter bereits von anderen Produktionen und man hat mich sehr herzlich in den Kreis der ,,Familieu aufgenommen und mir von allen Seiten (inklusive der Produktionsfirma Arena Synchron und des Senders Pro7) die größtmögliche Hilfestellung geleistet. Nichtsdestotrotz gibt es immer wieder während
des Schreibens und im Atelier Momente, in denen ich gern mehr über die
Vergangenheit unserer gelben Freunde aus Springfield wüsste, aber man lernt nie aus und ich fühle mich schon recht zu Hause. Was ich nicht weiß oder noch falsch mache, wird mir sicher bald irgendwo in irgendeinem Forum um die Ohren fliegen ...

Springfield-Shopper.de: Wieviel Zeit benötigen Sie, um eine Folge ins Deutsche zu übersetzen, und wie gehen Sie dabei vor?
Matthias von Stegmann: Das hängt sehr von der Folge ab. Es gibt für mich leichtere und schwierigere Folgen, je nachdem, wie die Dinge (z.B. Wortspiele, amerikaspezifische Anspielungen, die hier nicht verstanden werden, usw.) ins Deutsche übertragbar sind. Ich würde mal grob
sagen, um die 3 Tage pro Folge. Der Arbeitsprozess ist folgender: Ich sehe mir die Folge im Original an (manchmal auch zweimal) und lese parallel dazu die so genannte Continuity (das ist das Original- Dialogbuch, in dem auch viele Anspielungen erklärt werden.) Das schwierige am Dialogbuch ist nicht das Englisch des Originals, denn das spreche ich wie ein Muttersprachler. Aber in den Simpsons sind bekanntlich viele Anspielungen auf typisch
amerikanische Dinge und Tagesaktualität in den USA versteckt. Deswegen informiere ich mich auf den diversen amerikanischen lnternetseiten genauer über die Folge, um rauszufinden, was noch so an Details existiert, die ich vielleicht übersehen oder nicht verstanden habe. Darauf folgt eine umfassende lnternetrecherche z.B. zu aktuellen Themen in den USA, auf die in der Folge Bezug genommen wird. Und dann lege ich los. Ich schreibe die Folge einmal in einer ersten Fassung komplett runter (natürlich Satz für Satz mit Bild, damit es auch lippensynchron wird). Besonders knifflige Stellen
lasse ich dabei zunächst aus. Diese kommen dann im zweiten Arbeitsgang dran, bei dem das komplette Buch noch mal mit Bild gegengecheckt wird und die fehlenden Stellen gelöst werden. Manchmal steht am Ende dieses Prozesses immer noch das ein oder andere Fragezeichen, z. B. wenn es ein besonders schwieriges Wortspiel ist.
Dann mache ich mich an die nächste Folge und lasse das Problem ruhen. Die besten Ideen kommen einem, wenn das Problem ein paar Tage im Hinterkopf ,,schlummert". Danach geht das fertige Buch dann an die Redaktion von Pro7.

Springfield-Shopper.de: Ihr Vorgänger lvar Combrinck wurde oft stark für seine Synchronisationsarbeit kritisiert. In wie weit haben Sie sich mit seiner Arbeit auseinander gesetzt? Sehen Sie selbst Verbesserungsbedarf? Wo werden die Unterschiede zwischen der Arbeit von lvar Combrinck und ihnen liegen?
Matthias von Stegmann: Dass es Kritik gab, ist mir bekannt. Bei den Simpsons handelt sich es um ein sehr exponiertes Projekt mit einer großen Fangemeinde. Dass eine solche Arbeit kritischer beurteilt wird als andere Projekte, ist völlig normal. Es steht mir nicht zu, ein Urteil über die Arbeit von Herrn Combrinck zu fällen. Die Beliebtheit der Serie auch im deutschen
Fernsehen zeigt aber, dass er seinen Job so schlecht nicht gemacht haben kann.
Mein Blick ist nach vorne gerichtet und ich werde versuchen, eine möglichst gute, sowohl dem Original als auch dem deutschen Sprachraum gerecht werdende Fassung zu erstellen, in der die deutschen Stimmen mit ihrer gewohnten Spielfreude weiter agieren werden.
Die Unterschiede zwischen meiner Arbeit und der meines Vorgängers sollten nicht zu offensichtlich sein, da man natürlich auf die Wahrung der Kontinuität achten muss.
Allerdings vertrete ich vielleicht eine etwas modernere Philosophie als die, die damals herrschte, als die Simpsons zuerst ins deutsche Fernsehen kamen. So denke ich doch, dass heutzutage der ,,american way of life", der in den Simpsons so herrlich subversiv auf die Schippe genommen wird, auch in Deutschland besser bekannt ist als damals.
Und auch die deutsche Sprache hat sich in den letzten 17 Jahren verändert und ist in vielerlei Hinsicht ,,englischer geworden. Deswegen werde ich nicht versuchen, alles „auf Teufel komm raus" einzudeutschen, sondern Dinge aus dem Amerikanischen übernehmen, von denen ich annehmen kann, dass sie von einem Großteil des deutschen Publikums verstanden werden. Manchmal muss man wahrscheinlich auch einen Gag übernehmen, den nicht alle begreifen, weil die, die ihn verstehen, dafür größere Freude an ihm haben. Aber das ist natürlich eine Entscheidung, die von Fall zu Fall neu getroffen werden muss und einiges bleibt nicht übertragbar und muss umformuliert werden.

Springfield-Shopper.de: Welchen Einfluss hat und übt Pro7 auf die Synchronisationsarbeit?
Matthias von Stegmann: "Die Simpsons" ist eine der wichtigen Serien von Pro7 und dementsprechend intensiv kümmert sich Pro7 auch um die Serie. Es gibt einen hauptverantwortlichen Redakteur beim Sender, mit dem ich sehr gut und sehr eng zusammenarbeite. Er hat jedes meiner Dialogbücher auf dem Tisch, bevor es ins Studio geht und unterbreitet mir seine Änderungswünsche und -vorschläge. Außerdem kennt er die Serie bestens, da er sie schon lange betreut und kann mir auch bei so manchen Fragen helfen. Bei den Besetzungen von neuen Figuren sprechen wir uns genauso ab, wie bei textlichen Dingen und er hält immer Rücksprache mit dem Sender. Pro7 ist also vollständig in den Entstehungsprozess der deutschen Fassung eingebunden und unterstützt unsere Entscheidungen bzw. hat das letzte Wort.


>> Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews!

 

 

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